SCHAREIN: Leben - Kunst. Lebenskunst

SCHAREIN: Leben - Kunst. Lebenskunst
celesQue, 2011

Bei dem Berliner Maler Scharein fließen Leben und Kunst zusammen zu Lebenskunst.

Beginnen wir mit dem Leben: Reisen, Fotografieren, Kochen und Gespräche mit Sammlern und Freunden sind für ihn zentrale Punkte seiner Lebensfreude und Schaffenskraft. Auf engste verbunden sind damit abendliche Gesellschaften in spannenden Zusammensetzungen. In der Küche seiner geräumigen Arbeitswohnung kreiert der Maler aufwändige Sechs-Gänge-Menüs für Atelieressen und erlaubt so Leben und Genuss, mitten in der Bilderwelt seiner "schwebenden" Farbfelder.

Der gebürtige Niedersachse, der 1969 bis 1979 Kunsterziehung in Hamburg und Berlin studierte, gab 1988 seinen Beruf als Lehrer auf, um seitdem als freier Maler zu arbeiten. Vom Figürlichen kommend ist er Schritt für Schritt zu seiner jetzigen Form der Farbfeldmalerei gekommen.

Scharein ist ein zierlicher Mann. Die schweren goldenen Ringe an seinen Händen wirken bei ihm ganz leicht. Mit großer Energie und nach einer inneren Ordnung komponiert der 62-Jährige seine Bilder. Er will die eigenständige Qualität von Farben ergründen und diese optimal darstellen. Beim Betrachten der Bilder Schareins wandert unser Blick wie durch Farblandschaften. Die konkreten Bildinhalte treten hinter der Abstraktion zurück. Über die Beziehung zwischen Betrachtern und seinen Bildern sagt Scharein: „Der Betrachter muss mit seiner ganzen Erfahrung, seiner Sinnlichkeit und Spiritualität auf meine Bilder antworten – oder sie werden verschlossen bleiben.“

Dabei arbeitet der Maler Scharein mit intensiven Farben. Nicht in dicken Pinselstrichen, sondern Punkt für Punkt. Mit der Feinstruktur seiner Bilder erweist er sich als ein Liebhaber des Details. In unendlicher Mühe setzt er bis zu 17 (!) farblich verschiedene Farbpunkte auf einen (!) Quadratzentimeter, die sich zu großen pulsierenden Flächen entwickeln.

Von der Ferne betrachtet, könnte man meinen, die Bilder seien gesprüht. Doch die Farbe hebt sich so plastisch ab, dass man darin einzutauchen glaubt. Vom Nahen eröffnet sich eine eigenständige Farbwelt.

Scharein hat sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes auf den Punkt gebracht. Wie er das aber tut, das unterliegt einem spannenden Wandel. „Bei meinen Bildern soll ein ganz neues Erleben entstehen. Deshalb muss jedes Detail stimmen.“ Dafür malt er mindestens zehn bis zwölf Stunden am Tag: In der rechten Hand den Pinsel, in der linken das Mischglas, auf der Nase eine farbverschmierte Nahsicht-Brille. 200 bis 300 Arbeitsstunden dauert es, bis eine mittelgroße Hartschaumtafel fertig ist. Für die richtige Atmosphäre sorgen Tageslicht-Röhren und die Arien der legendären Opernsängerin Maria Callas, die Scharein schwer verehrt.

Die Arbeiten von Scharein sind in zahlreichen öffentlichen Samm­lungen, wie z.B. Hacke Museum, Museum Heidenheim, Museum Hoppe-Ritter, Staatsgalerie Stuttgart, Sammlung Daimler-Chrysler und Sammlung IBM sowie in vielen privaten Sammlungen (z.B. Sammlung Piepenbrock) vertreten.

Wer nun neugierig geworden ist, sollte versuchen, am 24. September 2011 am Tag des Offenen Ateliers Scharein und seine Arbeiten zu besuchen (www.scharein.de). Mit etwas Glück erlaubt Scharein zwischen all seinen Farben dann auch einen Blick in sein "Traumzimmer". Hier hütet er die für ihn wichtigen Objekte und Impressionen. An den Wänden hängen großformatige Farbfotos vieler Reisen, gegenüber vom Bett stehen Klangschalen aus Katmandu, Kristalle aus Madagaskar, Essensbehälter aus Burma, Holzkunstwerke, Steine, Muscheln. Staubwischen möchte man hier nicht. Aber träumen: Vom Reisen oder von Punkten.