Punkt für Punkt zur bunten Fläche

Scharein 2014 Galerie M - www.scharein.de

Farbfeldmalerein des Berliner Künstlers in der Riegeler Galerie M

Bilder aus teils Zehntausenden von Farbpunkten sind in der "Galerie M" der Kunsthalle Messmer in Riegel zu sehen.
"Auf den Punkt gebracht" heißt die Ausstellung vom 06.03. - 23.03.2014.

Badische Zeitung vom 06.03.2015, Autor: Michael Haberer (Artikel als PdF-Datei)

"So funktioniert das Auge", sagt Scharein bei der Vernissage. Der zierliche, 65-jährige Künstler nimmt den Betrachter mit zum Bild und erklärt, warum seine Farbfelder in der Nähe einen anderen Eindruck vermitteln als aus der Ferne. Nahe dran sticht das Detail, die Unmengen an gleich großen kleinen Punkten aus vielen Farben ins Auge. Aus der Ferne entstehen Muster, die einem konturierten Farbnebel gleichen. "Ich möchte Farbvibrationen haben, keine Farbgitter", sagt Scharein. Der vibrierende Farbnebel ist allerdings nicht – wie die Wirkung nahe legt – gesprüht, sondern ein Meer von Punkten.

Der gebürtige Niedersachse Scharein hat von 1969 bis 1979 an den Kunsthochschulen in Hamburg (bei Fritz Seitz und Bazon Brock), Saarbrücken (bei Oskar Holweck) und Berlin (als Meisterschüler von Johannes Geccelli und Herbert Kaufmann) Kunsterziehung studiert und machte sein Staatsexamen als Kunsterzieher. Von 1981 an ergänzte er seine künstlerischen Erfahrungen in einem Atelierstipendium der Karl-Hofer-Gesellschaft. 1988 hängte er seinen Lehrerberuf an den Nagel und arbeitete fortan als freier Maler. Angefangen hat er mit figürlichen Bildern. Er zeigt sie am Rande der Vernissage in Riegel. Damit man nicht glaube, er habe motorische Störungen, weil nur noch Farbfelder zu sehen sind, merkt
er scherzhaft an. Mit der Zeit kam er aber bei den Kompositionen aus einem Meer von Punkten an. Scharein knüpft dabei an amerikanische Farbfeldmaler wie Mark Rothko, Barnett Newman und Ad Reinhard, aber auch an europäische Repräsentanten der Monochromie wie Yves Klein und Gotthard Graubner an.

Scharein arbeitet mit intensiven Farben. Nicht in dicken Pinselstrichen, sondern Punkt für Punkt. Mit der Feinstruktur seiner Bilder erweist er sich als ein Liebhaber des Details. In unendlicher Mühe und mit viel Zeit setzt er bis zu 17 farblich verschiedene Farbpunkte auf einen Quadratzentimeter, die sich zu großen pulsierenden Flächen entwickeln. Von der Ferne betrachtet verschmilzt die gepunktete Feinabstimmung seiner Farbfelder zu homogenen und chromatischen Flächen. Vom Nahen eröffnet sich eine völlig eigenständige Farbwelt. In unmittelbarer Nähe zu einem Bild erkennt man den höchst differenzierten und aufwändigen Farbauftrag, mit dem die bemerkenswerte Leuchtkraft der Arbeiten erzielt wird. Der Betrachter sieht die Vielzahl von Punkten, deren Farbe variiert und deren Kombination sich je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall ständig verändert. Um einen Eindruck zu geben, wie aufwändig seine Punktearbeit im Atelier ist und wie schnell er mit den Farbmischungen arbeiten muss, hat Scharein einen seiner Künstlerkittel ausgestellt.

Am Ende eines Werkes zeigt derselbe ebenfalls eine Vielzahl von Farbnuancen, nachdem die einzelnen Farbmischungen schnell am Kittel abgestreift werden mussten, um die noch feuchte nächste Mischung im Meer zu platzieren.

"Die Scharein’schen Punkte strahlen Lebensfreude, unbändige Vitalität und Vielfalt aus. Hier findet man Bewegung im scheinbar Unbeweglichen – die Farbtöne flirren, schwingen und schweben", heißt es in der Einladung.

Die Ausstellung läuft bis 23. März. Die Galerie M ist Dienstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. (Eingang am Ende des Skulpturengangs links der Kunsthalle). Der Besuch ist kostenlos.